Zurück in Deutschland, darauf hatte ich mich wochenlang gefreut. Mehr denn je nervte mich in den letzten Wochen ALLES in Thailand. Der sch***-Verkehr. Das Chaos. Das Wetter. Das dumme Genicke und Gelächel.

Ich konnte es kaum abwarten, wieder zuhause zu sein.

Dann war alles anders. Zuhause kam die Ernüchterung schnell.

Auf einmal vermisste ich Thailand. ALLES an Thailand, den lebensgefährlichen Verkehr mit eingeschlossen.

Deshalb hier die Top 3 der Dinge, die ich am meisten vermisst habe. Naja, um ehrlich zu sein: Manches vermisse ich immer noch.

Unkompliziertes, gesundes Essen

Das Essen stand definitiv an erster Stelle. Gerade in der Anfangszeit hatte ich große Probleme mit dem deutschen Essen.

Die Art der Zubereitung, die Portionsgröße, die verwendeten Zutaten, viel zu wenig Gemüse – nichts stimmte. Frisches, exotisches Obst war entweder Mangelware oder viel zu teuer.

Noch dazu dieses stundenlange Einkaufen und Kochen! Küche aufräumen, Küche putzen, wieder einkaufen… Daran, dass Essen so viel Arbeit machte, war ich nicht mehr gewohnt.

In Chiang Mai war alles besser

Frühstück aßen wir immer zuhause. Deutsches Brot mit Butter (ein Luxusprodukt und recht teuer, aber es war quasi unser einziger Luxus.) und Marmelade. Die Marmelade kaufte ich in einem Bioladen bei uns um die Ecke. Sie war selbstgemacht und am meisten liebten wir Mango. Das Glas war ein Pfandglas, das ich immer wieder zurückbrachte. Besser ging es nicht.

In meinen Pausen auf der Arbeit frühstückte ich ein zweites Mal mit meinen Kollegen in der Kantine. Dort gab es Sandwiches oder Kuchen. Vielleicht nicht gesund, aber super lecker. Und vor allem billig.

In der Kantine aß ich auch meist zu Mittag. Denn ich war sowieso noch dort und ich hatte die Wahl zwischen deutschem und thailändischem Essen. Es schmeckte und war ebenfalls nicht teuer.

Abends gingen wir in eine „unserer“ Garküchen unweit unserer Wohnung. Dort aßen wir Khao Pat (Gebratenen Reis), der ein Gedicht war. Oder Suki, ein Gericht mit Reisnudeln, Kohl und Schweinefleisch. Als Suppe oder gebraten mit Ei. Auch zum Reinlegen. Dazu tranken wir einen Cha Manao, einen Zitronen-Eistee. Dieses abendliche Gelage kostete uns ca. 2,50.

An den Wochenenden konnten wir die Garküchen aufsuchen, die nur mittags offen hatten. Da gab es dann eines meiner absoluten Leibgerichte: Khao Man Gai (gekochtes Huhn mit Reis) und Khao Soi, eine scharfe nordthailändische Suppe.

Manchmal schlenderten wir auch durch einen der diversen Food Courts, in denen die Auswahl riesig war. Als „Nachtisch“ tranken wir frischen Saft oder Smoothies.

Zurück in Deutschland

Zack, alles weg. Mir kam das Essen nur langweilig, langweilig, langweilig vor.

Wir besorgten uns einen Reiskocher und sämtliche asiatische Zutaten und kochten richtig oft das, was wir in Chiang Mai geliebt und gelernt hatten. Im Urlaub in Südfrankreich freundeten wir uns wieder etwas mit der Küche dort an.

Als ich dann schwanger war, die totale Kehrtwende: Ich konnte kein thailändisches Essen mehr sehen. Von manchen Soßen wurde mir sofort schlecht.

In der Bücherei lieh ich einen Stapel Kochbücher aus – irgendwas musste ja zu uns passen. Neben dem Üblichen, was vor allem Nudel mit Soße bedeutet.

Das hat uns gerettet! Wir haben ausgiebig getestet und nach erfolgreicher Testphase auch einige Kochbücher angeschafft.

Ich kann dir Cook Clever und Jamies Superfoods voll empfehlen – super zum Nachkochen und alles schmeckt. Oder Burma – Rivers of Flavor, das ich liebe.

Gegen Einkaufen, Küche aufräumen, Kochen und Putzen hab ich bislang allerdings noch kein Kraut gefunden – du?

Okay, genug über Essen geredet, oder? Da siehst du, wie sehr mir DAS gefehlt hat!

Das Freizeitangebot

Auf welche Idee auch immer ich kam  in Chiang Mai konnte ich sie umsetzen. Es gab alles. Flying Yoga. Zumba. Tai Chi. Schmuck herstellen. Kurse, um Seifen herzustellen. Stoffe, Faden und Nähzubehör auf dem Markt.

Eine Stunde Flying Yoga kostete damals 5 Euro – kein Vergleich zu Deutschland! Ich nahm sogar zweimal wöchentlich Pilates-Privatstunden in einem Studio, das Pilates-Geräte hatte. Diese Stunden waren für dortige Verhältnisse teuer, trotzdem kostete eine 10er-Karte gerade mal ca 120 Euro. Für PRIVATstunden! Ein absoluter Luxus, in dem ich mich ausgiebig suhlte.

Entspannung und Meditation in Thailand

Dass ich den in Deutschland so nicht mehr haben würde, war mir klar. Theoretisch. Als es dann tatsächlich nicht mehr so war, traf es mich dennoch echt hart.

Ich suchte nach Kursen. Wo ich damals wohnte, gab es genau ein Yogastudio. Ich ging genau einmal hin und stellte fest: Dieser Lehrer und ich, wir passen nicht zusammen. Das wars also mit diesem Hobby.

Pilates gab es überhaupt nicht. Das Fitnessstudio, in dem ich mich in der Not anmeldete, langweilte mich.

Mit Mühe und Not fand ich eine Theatergruppe. Drei Wochen, nachdem sie sich formiert hatte! Zum Glück war die Leiterin nachgiebig und ließ mich Neuling noch dazustoßen. Das war immerhin eine schöne Zeit und bis heute bin ich für diese Truppe echt dankbar. (Echt, Leute, ohne euch hätte ich noch viel früher die Krise gekriegt!)

Mein Sportproblem blieb. Ich bin zwar nie schlank, aber ich brauche Bewegung! Da fiel mir eine spanische Freundin aus Chiang Mai ein, die Pilateslehrerin ist. Marta gab mir Stunden über skype. Weil es super funktioniert hat, macht sie das bis heute. Ich hoffe, nächstes Jahr an ihrem Retreat teilnehmen zu können…

Auch hier, wo ich jetzt wohne, ist es schwer, andere gleichgesinnte Kreative zu treffen. In Chiang Mai war man ruckzuck mit einer Bastelgruppe bekannt, doch hier haben alle das Zeitproblem.

Kommen wir damit zu dem, was ich fast noch mehr als das Essen vermisse:

Die Lässigkeit

Boah, wie hat es mich am Anfang in Chiang Mai aufgeregt: Dieses mai pen rai, dieses Macht-doch-nix, dieses Probleme-weglächeln und so tun, als gäbe es keine. Diese Einstellung von „komm ich heute nicht, komm ich morgen“. Und dieses „ach, das wird schon, jetzt entspann dich“.

Fuck, ich wollte mich NICHT ENTSPANNEN. Ich wollte JETZT dieses dämliche Fliegengitter. Und ich wollte JETZT mein Moped repariert.

Wie gesagt: Am Anfang hat es mich aufgeregt. Doch dann hab ich diese Einstellung einfach übernommen. Go with the flow.

Ich wurde langsam, entspannt, faul. Ich musste Dinge nicht sofort erledigen, denn eigentlich konnte ich mich jetzt sofort in den Sessel setzen und auf die Straße gucken. Ich verbrachte Stunden unten vor unserer Haustür mit sitzen. Also, ich saß da auf diesem kleinen Bänkchen und tat nichts. Zwischendrin wackelte ich vielleicht zum 7/11 und kaufte ne Cola oder ein Eis.

Das ist echt untypisch für mich.

Lässigkeit

Eines Abends ist zum Beispiel das passiert: Ich ging schnell zum 7/11, um Klopapier zu holen (#helloreallife). Als ich zurückkam, waren unsere thailändischen Nachbarn unten an der Tür. Sie hatten eine frische Kokosnuss und luden mich ein. Wir teilten uns diese göttliche Kokosnuss und tratschten. Nach zwei Stunden kam ich also wieder zurück nach Hause. Mein Mann war zum Glück auch so im flow, dass er sich schon sowas gedacht hatte.

Oder aus den Anfangszeiten: Ich fuhr sonntags regelmäßig zu einem kleinen Obstmarkt. Nach ein paar Wochen kannten mich die Verkäufer, ich endete hinter ihrem Stand auf einer Decke und wir tranken zusammen Cola und erzählten.

Diese kleinen lässigen Momente haben meinen Alltag sehr bereichert. Außerdem waren sie besser als jeder Sprachunterricht. Einfach nach draußen gehen, nichts tun. Kleinigkeiten, die zu Abenteuern und unvergesslichen Momenten werden.

Jetzt versuch mal in Deutschland, vor deiner Haustür zu sitzen.

Ich habe es gewagt. Empfehlen kann ich es dir nicht. Vermutlich wurde ich zwischendrin kleinkrimineller Aktivitäten verdächtigt, jedenfalls nach den Blicken zu urteilen, die mir zugeworfen wurden.

Wenn ich Nachbarn getroffen habe, waren sie entweder in Eile, gestresst oder sie sind mit Monologen über das Einwecken von Bohnen über mich hergefallen.

Ja, die Lässigkeit vermisse ich immer noch sehr. Zum Glück kann ich ab und an nach Südfrankreich und dort vor dem Haus sitzen. Da fällt es nicht auf, weil alle draußen sind.

Falls du ne bessere Lösung hast…?

Was ich sonst noch vermisse

Leider vermisse ich noch mehr: Ausgefallene Klamotten, bunte Farben, schlafende Verkäufer. Shoppingcenter, die sonntags geöffnet haben. Unkomplizierten Nahverkehr, wie Songtheows oder TukTuks.

Wie geht es dir? Was vermisst du am meisten in Deutschland? Hast du vor deiner Rückkehr damit gerechnet?

Kategorien: Zurück

  • […] wenn man viele Jahre im Ausland gelebt hat, erscheint einem die Rückkehr nach Deutschland nicht ganz so einfach wie sie vielleicht ein paar Jahre zuvor noch gewesen wäre. Zu lange hat man schon im Ausland […]

  • […] Auch wenn das freiwillig und ohne Zwang geschieht, so ist doch weder die Entscheidung einfach noch deren Konsequenzen. Denn wenn man dann erst einmal wieder in Deutschland ist und sein altes Leben im Ausland vermisst, wird es erst richtig hart. […]

  • […] lange nicht auf. Hierzu hat Anne in verschiedenen Posts schon ihre Erfahrungen geschrieben, denn nach ihrer Rüwanderung hat sie so einiges vermisst. Sie gibt aber auch Tipps, wie du nach der Rückkehr in Deutschland ein besseres Leben haben […]

  • Desi sagt:

    Danke für die sehr erheiternde Anekdote zum Sitzen vor der Haustür, ich habe Tränen gelacht! Ich lebe seit sieben Jahren nicht mehr in Deutschland und meine größte Sorge habt ihr mir mehrmals auf diesen Seiten bestätigt: die eher eintönige und isolierte Freizeitgestaltung in Deutschland. In den Ländern, in denen ich bisher gelebt habe, ging man einfach spontan abends noch ins Cafe und Arbeit hatte dort wenig Einfluss auf das Privatleben. Meine deutschen Freunde berichten mir hingegen das Gegenteil. Ich weiß nicht, ob ich mich daran wieder gewöhnen könnte. Wie geht ihr denn damit um? Schwimmt ihr einfach gegen den Strom oder habt ihr euch wieder angepasst? Hat man überhaupt eine Wahl?
    Vielen Dank für den tollen Blog!

    • Anne sagt:

      Vielen Dank für diesen wunderbaren Kommentar! Da macht das Bloggen doch gleich noch viel mehr Spaß 🙂
      Mich würde ja interessieren: In welchen Ländern hast du schon gelebt und wo lebst du grade???
      Dein Satz „Arbeit hatte dort wenig Einfluss auf das Privatleben“ trifft den Nagel auf den Kopf. Genau das wirkt auf mich hier eher anders herum, nicht nur auf mich, wie du schreibst. Daran gewöhnen werd ich mich nie. Puuh, wie gehe ich damit um? Ich würde sagen, da trifft es das Pippi-Langstrumpf-Lied ein bisschen: „ich mach mir die Welt, wi-de-wi-de-wie sie mir gefällt…“ Angepasst fühle ich mich nicht – werde ich auch wahrscheinlich nie. Deshalb vermisse ich auch manche Sachen so sehr, wie spontan geteilte Kokosnüsse.
      Die Antwort fällt mir schwer, aber ich würde sagen, ja, die Wahl hast du!
      Nochmals vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich fühle mich jetzt sehr inspiriert 🙂 Anne

      • Desi sagt:

        Im Moment lebe ich in Bahrain und davor sind mein Mann und ich gut herumgekommen (Italien, Oman und Niederlande). Nun steht der nächste Schritt an und Deutschland ist eben eine Option.
        Ich liebe die Idee des Pipi Langstrumpf-Mantras! Und wie ihr in einem anderen Beitrag geschrieben habt, kommt es sicher auch darauf an, wo man in Deutschland landet und mit welchen Menschen man sich umgibt. Nochmals vielen Dank für euren Blog, ihr macht mir Hoffnung, dass es vielleicht ja schon genug Andersdenkende gibt!

  • […] Wir freuen uns riesig über eure Kommentare und Nachrichten – sie sind eine große Motivation und Inspiration! Ich meine, schaut doch nur mal hier. […]

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