Wie du zurück in Deutschland von deiner Auslandserfahrung profitieren kannst

Zurück in Deutschland interessiert sich meist keine Sau mehr für das, was du im Ausland erlebt, erfahren und gelernt hast. Manchmal fragen die Leute am Anfang noch höflich nach, was man zu berichten hat. Doch das Interesse flacht schneller ab, als du „Ich war in Sp….“ sagen kannst.

Doch auch, wenn deine Geschichten keine Zuhörer finden, du für deine neuen Ansichten schräg angeschaut wirst oder du vieles in Deutschland nun wirklich nicht mehr verstehst – du kannst in so vielen Punkten von deiner Auslandserfahrung profitieren!

In Paris zwischen Uni, Centre Pompidou und Café Tribal

Das erste Mal erlebte ich das, als ich nach einem Semester Erasmus wieder zurück kam. Ein paar Monate in Paris – ich hatte einiges zu erzählen! Doch auch bei meinen Freunden war das Leben weitergegangen und ihr Interesse an meinen Geschichten übers nächtliche Paris nicht sonderlich groß.

Dabei hatte ich dort doch noch ein bisschen mehr gemacht, als mit anderen internationalen Studenten durchs Nachtleben zu streifen.

Unter anderem habe ich Texte für einen Fernsehsender übersetzt. Diesen Job hatte ich durch Zufall an der sprachlichen Fakultät bekommen und fand ihn super. Ich übersetzte tagelang, eignete mir jede Menge Umwelt-Fachvokabular an und hatte großen Spaß.

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Da gab es dann aber ein Problem, das ich – dumm wie ich war – nicht bedacht hatte.

Ich hatte keinen Arbeitsvertrag oder irgendein vergleichbares Dokument bekommen. Hatte auch gar nicht dran gedacht, weil es sich um einen einmaligen, nach Wörtern bezahlten „Großauftrag“ handelte.

Nun gab ich meine Übersetzung vor Ende der Frist ab, mächtig stolz.

Meine „Chefin“, die kein deutsch konnte, nahm sich den Text vor. Sie fand Sätze à la „Die Frösche, die die Straße überqueren…“ und stieß sich an der Doppelung des „die“. Zu Beginn noch geduldig wollte ich ihr erklären, wieso es dazu kam und richtiges deutsch war. Das interessierte sie aber gar nicht, sie konnte ja auch kein deutsch und hatte keine Ahnung von Grammatik. Trotzdem war sie sicher, dass es falsch war.

Ihre Schlussfolgerung: Ich bekomme kein Geld. Schließlich hatte ich ihr eine falsche, wertlose Übersetzung geliefert.

Und echt, Leute, dann sah ich rot. Die vereinbarte Summe von mehreren Hundert Euro bedeuteten damals (von wegen: tun sie immer noch!) die Welt für mich. Außerdem waren sie schon verplant. Ich hatte richtig übersetzt, hatte Tage damit verbracht und einen richtig guten Text zustande gebracht.

Die Dame hatte ihren Entschluss gefasst und wollte mich zur Tür begleiten. Dann überwand ich meine Sprachlosigkeit und legte los. Was ich alles gesagt habe, weiß ich nicht mehr. Aber am Ende lief ich mit hundert Euro mehr als vereinbart hinaus.

Zuhause hätte ich mich darauf verlassen, dass mir schon einer hilft. Dass ich rausgehe und meinen Papa anrufe.

Damals in Paris aber war das anders. Ich war allein. Internet war selten und telefonieren teuer. Gebracht hätte es mir auch nichts.

Ich musste also alleine kämpfen. Konnte mich nicht verstecken und wollte auf keinen Fall klein beigeben.

Diese Begebenheit ärgerte mich tierisch, schon allein weil es ja auch meine Schuld gewesen war. Aber sie gab mir so viel Mut für meine weiteren Studentenjobs.

Sie half mir, meine eigenen Bedingungen durchzusetzen, beispielsweise wenn Nachhilfeschüler kurzfristig absagen. Und nie mehr für hohe Summen ohne Verträge zu arbeiten.

Und auch heute noch, mehr als zehn Jahre älter profitiere ich noch von dem Wissen, mich ganz alleine in einer ausweglos erscheinenden Situation herausbewegt zu haben…

Verloren in den Anden

Mehrere Jahre später brach ich zu einer langen Reise auf, die mich nach Südamerika führte. Mein bester Freund ist nämlich Argentinier, lebte damals in Buenos Aires und der Besuch war lange fällig. Meinen achtzig tausend Jobs sei Dank konnte ich es mir endlich leisten.

Zu Beginn einen Freund zu haben war toll. Dann aber wollte ich alleine reisen. Das Abenteuer reizte mich und ich freute mich, endlich mal alleine zu sein.

Bis ich dann alleine war.

Das fühlte sich ganz schön blöd an. Niemand im ganzen Bus saß alleine, nur ich. Niemand musste alleine essen oder sich am Busbahnhof alleine ein Taxi suchen. Blabla-Selbstmitleid.

Nach ein paar Tagen dann überwand ich meine „Schockstarre“ und machte mich auf, um durch das Städtchen zu streunen. Plan- und ziellos, genau das, was sich in meiner Einsamkeit richtig anfühlte.

Was ich alles entdeckte! Wie viel Spaß das Essen doch auf einmal machte! Wahnsinn, sich seinen Tag komplett frei einzuteilen. Dann zu essen, wann ICH wollte, ohne jemanden fragen zu müssen. Dort zu übernachten, wo ICH wollte. So lange bleiben, wie es nur mir passte. Die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen!

Die große Einsamkeit wurde zur großen Freiheit. Und zur großen Chance: Ich entdeckte das, was ICH wollte. Was mir Spaß machte, was mir passte. Meine Wünsche zu formulieren und danach zu handeln.

Unnötig zu erwähnen, wie wichtig das bis heute ist, oder?

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Sokrates to go

Die zweite große Chance meiner selbstgewählten Einsamkeit bestand in den vielen bereichernden Begegnungen. Bis heute habe ich enge Freundinnen in Seoul und La Paz.

Andere Freundschaften waren zwar instantal, aber wegweisend. Fremde, die zu Freunden wurden, weil sie mich an ihren Weisheiten teilhaben ließen.

An der von Roi aus Israel möchte ich dich noch unbedingt teilhaben lassen: Deine Motivation muss immer gut sein.

Du solltest also eine Sache nicht beenden, weil sie scheiße ist, sondern weil du etwas Neues, Besseres vorhast. Im Umkehrschluss: Lass dich vom Positiven in deinem Leben leiten, nicht vom Schlechten.

Wovon du alles profitieren kannst

Aber ich möchte dir ja nicht nur meine kleinen Anekdoten erzählen. Ich möchte dir zeigen, was du alles aus deiner Auslandserfahrung ziehen kannst. Unabhängig davon, ob deine Geschichten Zuhörer finden oder nicht.

  • Mut – dafür reichen schon deine Alltagserfahrungen und die kleinen Schritte.
  • Alleine für dich einstehen – Beispiel siehe oben
  • Einsamkeit als Chance: Du kennst dich und deine Wünsche, kannst Zeit mit dir selbst verbringen und kommst damit zurecht.
  • Inspirierende Begegnungen. Vielfältig und bereichernd. Vielleicht erinnerst du dich dein Leben lang an die gastfreundliche Familie in Coroica.
  • Neue Perspektiven: Du hast andere Kulturen, Einstellungen, Weisheiten etc. kennengelernt.
  • Flexibilität, die du durch den gewollten Ausbruch aus dem Gewohnten an den Tag legen musst.
  • Du kannst dir aus dem Nichts etwas aufbauen.

Was sind deine Erfahrungen? Wie konntest du deine Auslandserfahrung in Deutschland mit einbringen?

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