Setzt man sich mit Hostern auseinander, geht es immer wieder um die Frage der Geschwindigkeit. Ich habe mir vier deutsche Hoster im Test angeschaut, mit denen ich im Moment hantiere. Einen werd ich bestimmt nicht mehr nutzen, aber das seht ihr dann schon selbst.

Anne hat mich gefragt, ob ich nicht auch mal ein Thema für die Superhelden aufs Tablett bringe, das Selbstständige immer wieder umtreibt. Voilà!

Mein Name ist Justin und ich bin selbstständiger Informatiker. Da mache ich alles, nicht nur Websites und Shops. Du wirst in Zukunft öfter von mir lesen.

Geht es allerdings um Webseiten, steht die Frage nach der Schnelligkeit immer im Vordergrund.

Speedtest mit WordPress

Der Haken jedoch ist, dass Websites verschieden sind. Man muss also eine möglichst gleichartige Konfiguration haben, damit Ergebnisse überhaupt vergleichbar sind. Deshalb hab ich das mal für euch gemacht. Natürlich mit WordPress, weil es sowieso das beliebteste CMS-System weltweit ist.

Dabei bin ich so vorgegangen, dass ich zuerst die grundlegende WordPress-Installation aufgesetzt habe – Vanilla WordPress, wie man so schön sagt. Dabei kam also auch gleich der Installationsprozess bei den verschiedenen Hostern heraus, eine kleine Anleitung, falls ihr die benötigt 😉

Die jeweiligen Seiten wurden schließlich mit dem Google-Tool Pagespeed Insights getestet. Wichtig für das Ranking ist dabei nur die benötigte Zeit, bis die ersten Daten erhalten wurden.

Das nennt man TTFB (Time to first byte) und hängt auch von Konfiguration des Servers und der Website ab. Genau deshalb testete ich nur die Vanilla-Version, um möglichst unverfälschte Ergebnisse zu bekommen.

Die vier Hoster im Test sind:

Über mehrere Tage habe ich dann den Test über die Seiten laufen lassen. Eine nicht gerade riesige Stichprobe, aber die Ergebnisse sind trotzdem eindeutig.

 

1 – Strato

Ein großer Hoster, der deutschlandweit zu den Platzhirschen gehört. Allerdings geht auf verschiedenen Workshops das Gerücht um, dass Strato einfach langsamer ist als andere Hoster. Wir werden sehen.

Installation

Die Installation von WordPress kann man per FTP und Datenbank erstellen durchführen.

Strato bietet aber die Möglichkeit über den sogenannten AppWizard diesen Prozess zu automatisieren. Und warum schwer, wenn es auch einfach geht?

Über den AppWizard lassen sich auch ganz andere CMS-Systeme, wie Typo3 oder Joomla, installieren. Man wählt gleich Benutzername, Passwort und Mail für den Admin-Benutzer aus. Die entsprechende Domain einstellen, Kommentar für die Datenbank einfügen und schließlich noch Lizenz akzeptieren.

Angenehm, weil das aktuellste WordPress auf der Seite läuft. Es ist keine Aktualisierung mehr nötig.

Speed

Am ersten Tag brauchte die Seite 160 ms. An diesem Tag hielt ich die bestandene Prüfungen fest.

Man sieht allerdings nun schon erste Unterschiede zu den anderen Hostern.

Die Gesamtgröße des Netzwerkverkehrs war mit 269 KB deutlich größer als etwa bei Webgo. Der Grund war die Style-Datei für das Basic-Theme von WordPress. Es nimmt bei Strato 200 KB ein.

Am zweiten Tag gingen die ersten Bytes nach 190 ms ein. Der Pagescore von 95 im mobilen Bereich war lediglich der dritte Platz unter den Hostern.

Und am dritten Tag ging der Speed noch etwas herunter, da es 250 ms dauerte. Dabei litt auch etwas die Zeit, bis die ersten Inhalte gezeichnet waren (2,6 s).

Strato-Schnitt: 200 ms

 

2 – Domainoffensive

Der Anbieter spezialisiert sich hauptsächlich auf Domains und ist in diesem Bereich billiger als andere. Es wird allerdings auch Hosting angeboten.

Installation

Hier muss man manuell tätig werden und den klassischen “5-Minuten-Prozess” für WordPress durchgehen.

Dafür legt man im Interface von do.de unter Einstellungen eine neue Datenbank an. Der Benutzername ist schon in den Vertragsinfos festgehalten. Dort kann auch das Passwort gesetzt werden.

Der Host bei do.de ist immer “localhost”. Mit diesen 4 Informationen (Datenbankname, Benutzername, Passwort, Host) kann man WordPress an die Datenbank anbinden.

Nun noch die Domain auf einen Ordner im Webspace umleiten. In diesen Ordner, lädt man per FTP die WordPress-Dateien (aktuelle Version bei immer bei wordpress.org) hoch. Ich mache das immer mit dem FileZilla-Client.

Nun editiert man die Datei “wp-config-sample.php” mit einem Editor wie Notepad++.

 

Dort hinterlegt man die 4 Informationen und salzt noch die Sicherheitsschlüssel.

Ich mache das immer so, dass ich den eingebauten MD5-Hashgenerator von Notepad++ (unter Werkzeuge) ein paar wilde Tastenkombinationen verarbeiten lasse. Die setze ich dann für ‘AUTH_KEY’ usw. ein.

Bevor es losgeht, muss die Datei in “wp-config.php” umbenannt werden. Standardmäßig wird bei do.de die WordPress-Installation versteckt und wird unter name.de/wp-admin aufgerufen. Legt nun die Grunddaten eurer Website an (Titel, Nutzer) und legt los.

Mit diesem Vorgehen seid ihr auf jeden Fall auf der neuesten Version von WordPress.

Speed

Der erste Tag brachte für diesen Hoster im Test 300 ms. Dafür war die Gesamtgröße deutlich geringer. Das Style-Dokument hatte nur 30 KB. Die Optimierungen für die Dateigrößen scheinen besser zu sein.

Beim zweiten Test waren es 280 ms TTFB. Der Pagescore von 97 war an diesem Tag der zweitbeste der getesteten Hoster.

Am letzten Tag ging es wieder 300 ms. Dabei wurde allerdings ein perfekter Pagescore erreicht und es dauerte nur 1,5 s bis zu den ersten gezeichneten Inhalten.

Domainoffensive-Schnitt: 293 ms

 

3 – Pagejumper

Pagejumper ist ein kleines Unternehmen, das in gewöhnlichen Speedtests nicht auftaucht. Aber hier ist es Teil des Tests, also los.

Installation

Wie bei do.de muss WordPress manuell installiert werden.

D.h. eine Datenbank erstellen, bei dem man das Passwort selbst setzen kann. Name und Nutzer werden erzeugt und später in der Übersicht angezeigt. Die Serveradresse schließlich steht während der Erstellung direkt unter der Passworteingabe. Mit diesen 4 Daten kann man die Datenbank an WordPress anbinden.

Das Schema F sagt nun, dass die Domain auf einen Ordner im Webspace umgeleitet werden muss. Als Letztes wieder die Dateien von WordPress per FTP übertragen, Daten in “wp-config.php” eintragen und per name.de/wp-admin installieren.

Das genaue Vorgehen seht ihr bei der Installation von Domainoffensive. Aber bei Pagejumper war es nicht so einfach.

Wie jetzt, Fehler?

Ich wollte die Daten eintragen, aber es kam eine Fehlermeldung. Die aktuelle Version von WordPress (5.2.2) braucht nämlich eine aktuellere PHP-Version als sie bei Pagejumper eingestellt war.

Da bei Pagejumper das meiste über den Support eingestellt werden muss (Mail raus, warten bis Backup eingespielt ist oder was man gerade machen will) und zur PHP-Version die Hilfeseite leer ist, habe ich einfach eine ältere Version von WordPress genommen. Das war Version 4.5.3. Nicht schön und ohne PHP umzustellen nicht aktualisierbar.

Speed

In den Tests hatte das Dokument aufgrund der älteren Version also weniger Elemente (83 statt 95). TTFB war trotz (von mir vermutetem Vorteil) 380 ms.

Am zweiten Tag ging es lediglich 330 ms. Der Pagescore von 91 war jedoch der Geringste von allen Hostern.

Am letzten Tag brauchte der Hoster im Test 300 ms und es brauchte 2,8 Sekunden, bis die ersten Inhalte sichtbar wurden.

Pagejumper-Schnitt: 337 ms

 

4 – Webgo

Bei Speedtests, die ich gesehen habe, war Webgo immer sehr weit vorne. Wir werden sehen, ob der Hoster das Versprechen auch in diesem Test einlösen kann.

Installation

Ähnlich wie große Anbieter bietet Webgo eine einfach Installation von WordPress per Buttonklick an. Das Angebot heißt 1Click Install und ist so simpel, dass man es kaum erklären muss.

Man gibt ein, welchen Ordner im Webspace man benutzen will und welche Domain genutzt werden soll. Schließlich noch die Grunddaten des Blogs und das Datenbankpasswort. Hier kann zwischen zwei Datenbanksystemen gewählt werden: MySQL und MariaDB.

Erstere ist bekannter, zweite soll performanter sein. Ich habe es für den Test aber bei MySQL belassen.

Einziger Wermutstropfen ist, dass ein Standardnutzer angelegt wird. Da sollte man nachher einen neuen anlegen.

Die WordPress-Version von 5.0.3 musste ich im Backend updaten, was kein Problem war.

Speed

Der erste Test erbrachte eine Geschwindigkeit von 130 ms. Die Gesamtgröße war mit 47 KB sehr gering.

Folgerichtig war der Pagescore mit 100 perfekt und der beste von allen Hostern. Am zweiten Tag war Webgo mit 110 ms noch etwas schneller.

Am dritten Tag waren es 80 ms TTFB und damit das beste Ergebnis aller Messungen. Bis zu den ersten Inhalten dauerte es lediglich 1,5 s.

Webgo-Schnitt: 107 ms

 

Hoster im Test – Fazit

Alles in allem gibt es natürlich noch mehr Kennzeichen als Time to first byte.

Andere Optimierungen können die Schnelligkeit, bis die Webseite dargestellt wird, beeinflussen.

Der Pagescore versucht darüber Aufschluss zu geben. Wichtig für eine optimale Seite ist auch die Zeit bis zu den ersten gezeichneten Inhalten, weil es gerade im Mobilbereich als wenig schick gilt, zu warten.

Die Rangliste nach TTFB (in ms):

  1. Webgo (107)
  2. Strato (200)
  3. Domainoffensive (293)
  4. Pagejumper (337)

Webgo hat wohl nicht ohne Grund vordere Plätze in Speedtests. Hier geht es genauso einfach nur richtig schnell.

Strato ist schon fast nur noch halb so schnell.

Und die kleinen Anbieter haben hier einen großen Rückstand. Trotzdem wurden alle Zeiten von Pagespeed Insights als Grün durchgewunken.

Nur ist das bei einer Vanilla WordPress-Installation nicht weiter verwunderlich.

Die Rangliste nach Pagescore:

  1. Webgo (100)
  2. Domainoffensive (98)
  3. Strato (94)
  4. Pagejumper (90)

Betrachtet man Optimierungen, die zum Einsatz kommen, ändert sich die Geschwindigkeit der Website insgesamt.

Das beeinflusst den Pagescore und hier schneidet auch Webgo am besten ab. Hier tauschen Strato und do.de die Plätze.

Offensichtlich sind beeinflussen andere Faktoren als TTFB den Wert für Letztere positiv und für Strato negativ.

Die Rangliste nach Zeit bis zu ersten gezeichneten Inhalten (in s):

  1. Domainoffensive (1,5 s)
  2. Webgo (1,5 s)
  3. Strato (2,5 s)
  4. Pagejumper (2,7 s)

In dieser Kategorie gibt es sogar einen geteilten ersten Platz. Im Vergleich zu den schnellen eineinhalb Sekunden von do.de und Webgo sieht die zusätzliche Sekunde bei Strato und Pagejumper extra-lahm aus.

Die Rangliste nach Einfachkeit der WordPress-Installation:

  1. Webgo
  2. Strato
  3. Domainoffensive
  4. Pagejumper

Die einfache Installation bei Webgo und Strato hält sich eigentlich die Waage.

Webgo reduziert es aber auf einen einzigen Bildschirm, installiert einem dafür allerdings einen Standardnutzer.

Strato wiederum nennt ihren AppWizard unnötig kompliziert. Ich hätte dahinter nämlich nicht die Installation von WordPress vermutet.

Bei Domainoffensive und Pagejumper muss man selbst die Datenbank anbinden und die Dateien hochladen. So wurde es früher immer gemacht, ist aber wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäß. Die Störgeräusche sind bei Pagejumper im Installationsprozess deutlich lauter.

Soweit ist das nun meine Sicht auf die vier Hoster im Test. In meiner Arbeit hatte ich inzwischen mit ihnen allen zu tun. Ich kümmere mich um alle IT-Belange und konzentriere mich dabei hauptsächlich auf kleine Unternehmen und Selbstständige.

Ihr könnt gerne auf meiner Seite vorbeischauen, falls euch der Beitrag gefallen hat.

Was waren deine Erfahrungen mit den vorgestellten Hostern? Kennst du auch einen guten Anbieter? Dann kommentiert einfach unter dem Artikel.

 

Kategorien: Technik

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